Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt

5. August 2004 – P. G.


Vorfall

P. G. verbringt den Nachmittag des 5. August 2004 zusammen mit Freunden in einem Freibad in Berlin-Wilmersdorf. Er bemerkt plötzlich, dass sich vor dem Kiosk des Freibades eine große Menschenmenge gebildet hatte und geht, weil er neugierig ist, dorthin. Da allerdings 30 – 40 Personen um den Kiosk herumstehen, kann P. G. nicht erkennen, was vor sich geht. Er sieht lediglich zwei junge Männer (A und B) in Badehose, die augenscheinlich im Zentrum des Interesses stehen. P. G. will schon gehen, als einer der beiden Männer (A) an ihn heran tritt, ihn vor die Brust stößt und ihn auffordert, sich zu „verpissen“. P. G. entgegnet ihm, dass er ihn nicht anfassen und sich doch selbst „verpissen“ solle. Daraufhin schlägt der junge Mann P. G. mit der flachen Hand ins Gesicht, aber der lässt sich das nicht gefallen, schlägt zurück und trifft den Mann mit der Faust ebenfalls ins Gesicht. Jetzt greift auch der zweite Mann (B) ein und beginnt auf P. G. einzuschlagen. Der versucht wegzulaufen, wird aber nach wenigen Metern von weiteren Männern aufgehalten, zu Boden geworfen und mit auf dem Rücken festgehaltenen Händen über das Gelände zu einer nahe gelegenen Garderobenkabine geschliffen. Zwei der Männer (A und B) schließen sich mit ihm in der Kabine ein und beginnen nun abwechselnd über einen Zeitraum von 30 Minuten auf ihn einzuschlagen und zu –treten. Dabei beleidigen sie ihn fortwährend als „Scheiß-Kanacke“. Schließlich stößt einer der beiden (B) ihn mit seiner Stirn ins Gesicht und sagt dabei, dass es ihm noch Leid tun würde, einen Polizisten geschlagen zu haben. Erst jetzt realisiert P. G., dass es sich bei den Männern um zivilgekleidete Polizeibeamte handeln müsse. Irgendwann wird er aus dem Schwimmbad herausgeführt und in ein bereitstehendes Polizeifahrzeug gesetzt. P. G. fragt, wo man mit ihm hinfahren wolle, woraufhin einer der nunmehr zahlreich anwesenden uniformierten Beamten (C) ihn mit dem Kopf gegen die Scheibe des Fahrzeugs schlägt. Ihm werden Handschellen angelegt. Als P. G. darum bittet, diese zu lockern, da sie sehr drücken, werden sie noch fester zusammen gezogen. Dann wird P. G. in einem Mannschaftswagen auf ein nahe gelegenes Polizeirevier gebracht. Dort angekommen wird er noch im Wagen, nachdem alle anderen Personen das Fahrzeug verlassen hatten, von dem Beamten (C), der ihn zuvor bereits angegriffen hatte, erneut mit Fäusten ins Gesicht geschlagen. P. G. beginnt stark zu bluten. Trotzdem attackiert der Beamte ihn weiter. Schließlich bringt er P. G. in eine Zelle, in der er abermals von den beiden Beamten aus dem Freibad (A und B) geschlagen wird. Der Beamte aus dem Mannschaftswagen (C) beobachtet die Situation bei geöffneter Zellentür ohne einzugreifen. P. G. bittet darum, seine Eltern anrufen und einen Arzt kontaktieren zu dürfen, aber beides wird ihm verweigert. Als man ihn endlich entlässt, wird er noch im Polizeigebäude von mehreren Beamten angesprochen, die ihm drohen, dass es ihm „dreckig“ gehen werde, wenn er etwas gegen sie unternimmt, schließlich wüssten sie wo er wohne.

Rassistische Motivation

unterstellte Herkunft

Strafrechtlicher Verlauf

P. G. stellt Anzeige gegen die involvierten Beamten wegen „Körperverletzung im Amt“, „Beleidigung“, „unterlassener Hilfeleistung“ und „Bedrohung“. Auch die Beamten erstatten Anzeige.

(vgl. Unterlagen der anwaltschaftlichen Vertretung P. G.s)

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