Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt

14. Juni 2006 – A. E.


Vorfall

A.E. ist am Nachmittag des 14. Juni 2006 wie viele andere auch auf der Fanmeile am Brandenburger Tor, um die tunesische Nationalmannschaft anzufeuern. Alles verläuft friedlich, es gibt lediglich eine kurze verbale Auseinandersetzung mit deutschen Fans, weshalb die “Security” eingreift. A.E. wird von mehreren “Security” – Männern unsanft über einen Zaun gezerrt und geschubst, so dass seine Brille kaputt geht. A. E. versucht bei einem nahe stehenden Polizisten eine Anzeige zu erstatten (mehrere andere Fans hatten sich als ZeugInnen gemeldet), aber der Beamte weigert sich die Anzeige aufzunehmen.

Schließlich mach A.E. sich auf den Nachhauseweg. Als er am Ostkreuz umsteigen will wird er von mehreren Bundespolizeibeamten registriert, die daraufhin untereinander etwas über die Türkei sprechen. A.E. sagt daraufhin “Scheiß Polizei”, wird angehalten und aufgefordert zum Polizeiwagen mitzugehen. In einer nicht einsehbaren Ecke wird ihm der Arm auf den Rücken gedreht und er wird mehrmals gegen den Wagen gedrückt. Schließlich werden seine Hosentaschen entleert, alles wird auf den Boden geworfen und er wird angehalten, sich nicht zu bewegen. Auf die Nachfrage, ob ein Foto im Geldbeutel seine Freundin zeige, antwortet A.E., dass den Beamten das nichts anginge, woraufhin dieser ihn anherrscht “Sprich deutsch, scheiß Türke!”. A.E. ist außer sich vor Wut und schreit zurück. Er wird in den Wagen geschubst und aufgefordert die Beamten zu siezen. A.E. sagt er wäre kein Türke sondern Franzose, woraufhin man ihn nach seinem Namen fragt und feststellt, dass er Tunesier ist. Nun beleidigen die Beamten seine Mutter und sagen: “Dann bist du nicht türkisch, also scheiß Tunesien.” Als A.E. den Beamten in Aussicht stellt, dass er gegen sie alle eine Anzeige stellen und die Presse informieren wird, wird er aufgefordert seine Sachen vom Boden zusammen zu suchen und zu gehen. A.E. weigert sich, denn er möchte die Situation fotografieren. Jetzt wird er zu Boden geworfen, beleidigt und beschimpft. A.E. will der Situation nur noch entkommen. Er nimmt seine Sachen und versucht den ersten Zug vom Bahnhof Ostkreuz zu bekommen. Hier teilt man ihm mit, dass er Hausverbot hätte.

Schließlich gelingt es A.E. am späten Abend doch noch gegen die Polizeibeamten eine Anzeige in einer Polizeidienststelle aufzugeben.

Am darauf folgenden Tag wird A.E. vom LKA angerufen und um ein Treffen gebeten. Im Hotel “ADLON” raten ihm drei Beamte die Männer der “Security” anzuzeigen. Wegen des Vorfalls am Ostkreuz könne man ihm keine Unterstützung in Aussicht stellen, da es in Berlin mehrere 1000 Polizeibeamte gäbe und man die Betreffenden anhand seiner Angaben nicht ausfindig machen könne.

Gemeinsam fahren sie zum Brandenburger Tor, identifizieren einen Mann der “Security” und das gesamte Geschehen des Vorfalls am Brandenburger Tor und Ostkreuz wird als Protokoll aufgenommen.

Weiterführende Informationen

Tage später trifft A.E. einen der am Geschehen beteiligten Polizeibeamten am Ostkreuz wieder und sagt ihm, dass er gegen ihn Anzeige erstattet habe. Der Beamte droht mit einer Gegenanzeige.

Rassistische Motivation

Hautfarbe, unterstellte Herkunft

Strafrechtlicher Verlauf

A.E. wird von den PolizeibeamtInnen wegen Beleidigung angezeigt. Er selbst erstattet Anzeige wegen Körperverletzung im Amt.

(vgl. Akte ReachOut: Gedächtnisprotokoll, Unterlagen der anwaltschaftlichen Vertretung)

Juni 14, 2006 | Chronik | Keine Kommentare