Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt

12. Mai 2007 – J. E.


Vorfall

Am 12. Mai 2007 ist J. E. gerade auf dem Weg von einem Straßenfest in der Herrmannstraße Richtung U-Bahnhaltestelle. Während des Gehens bemerkt sie zwei Frauen, die sich lautstark unterhalten. Beim näheren Hinsehen stellt sich eine der Beiden als Polizistin heraus. Hinter ihnen befinden sich augenscheinlich fünf weitere PolizeibeamtInnen sitzend auf einem am Boden liegenden Mann sowie umstehende PolizistInnen und Wachschutzpersonen. J. E. fordert die BeamtInnen auf, den am Boden liegenden Mann loszulassen, da diese ihm die Luft abdrückten und sein Zustand besorgniserregend aussah. Nach einem kurzen Wortwechsel mit den PolizistInnen spricht die junge Frau, die zuvor mit der Polizistin diskutiert hatte J. E. an und macht sich als die Freundin des am Boden liegenden Mannes bemerkbar. Sie erklärt J. E. kurz, wie es zu dem Vorfall gekommen war und bestätigt unablässig, dass kein Fehlverhalten ihres Freundes vorgelegen hätte.
Unterdessen gehen die BeamtInnen weiter grob gegen den Mann vor, drücken sein Gesicht immer fester in den Asphalt und schreien ihn an. Die Rufe nach einem Anwalt werden ignoriert. Nach einigen Minuten wird das Gebiet abgesperrt, es befinden sich dort neben dem Mann nun ungefähr 30 PolizistInnen und Wachschutzmänner. Zwischendurch werden Sanitäter hinter die Absperrung gelassen. J. E. nimmt wahr, dass der Mann einen Polizist an der Hand verletzt haben soll und er nun auf „HIV- oder so“ untersucht werden müsse.
Menschen, die versuchen das Geschehene durch Fotos zu dokumentieren, werden durch die BeamtInnen gehindert. Der Aufforderung J. E.s nach Einsicht der Dienstnummer eines verantwortlichen Beamtens wird nur sehr widerwillig nachgekommen.
Inzwischen werden dem am Boden liegendem Mann Handschellen angelegt und die Beine gefesselt. Obwohl es angefangen hat zu regnen, wird seine Hose vor den ungefähr 100 bis 150 Menschen heruntergezogen und seine Füße sind kaum noch durch Strümpfe bedeckt. Immer noch sitzen drei Beamte auf dem Mann. Als endlich ein Polizeibus eintrifft, werden die umstehenden PassantInnen aufgefordert Platz zu machen. J. E. kommt der Aufforderung nach Ansicht der BeamtInnen nur unzureichend nach und bekommt einen Platzverweis ausgesprochen. Als J. E. erklärt, dass sie die Situation weiter beobachten werde wird sie grob am Arm durch einen Beamten einige Meter weit weggezogen. Hiergegen intervenieren andere Menschen lautstark. Schließlich kommt ein Polizist auf die Gruppe zu und erklärt, dass der Mann gefährlich sei und eine Krankheit hätte, die ihn in einen ständigen Selbstverteidigungszustand versetzen würde und er darüber hinaus keinen Schmerz empfinden könne, weshalb er beispielsweise einen zugedrückten Kehlkopf nur unzureichend wahrnehme. Die Bemerkung J. E.s, dass eine Polizeiausbildung die BeamtInnen auch bei angeblich kranken Menschen zu einer vernünftigen Festnahme befähigen solle und Rassismus überdies grundsätzlich bei polizeilichen Aktionen fehl am Platze sei, beantwortet der Beamte mit der Aufforderung der Gruppe, die Szenerie nun zu verlassen. Nach insgesamt 45 Minuten Festnahmedauer kommt sie dieser Aufforderung schließlich nach.

Rassistische Motivation

Hautfarbe, unterstellte Herkunft

(vgl. Akte ReachOut: Augenzeuginbericht)

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