7. September 2007 – S. P.
Vorfall
Am frühen Nachmittag des 7. Septembers 2007 ist S.P. gemeinsam mit einem Freund unterwegs, als dieser plötzlich einen Anruf von der Polizei bekommt und aufgefordert wird zu seiner Wohnung zurück zu kehren. Als die beiden Männer ankommen stehen drei Polizeibeamte in Zivil vor der Wohnung und verlangen die Personalpapiere von S.P. und seinem Freund. Ein Beamter prüft die Papiere des jungen Mannes und sagt, dass S.P. sich nicht in Deutschland aufhalten dürfe. Dass es sich hierbei um eine Falschauskunft handelt, weiß der junge Mann nicht, weshalb er sofort nach Rückgabe seiner Dokumente versucht der Situation zu entkommen. Um ihn an einer Flucht zu hindern, stößt einer der Beamten S.P. so stark, dass dieser die Treppe herunter fällt. Am Boden liegend wird er getreten und geschlagen. Dann wird er bewusstlos und kommt erst in Polizeigewahrsam wieder zur Besinnung. Er schildert den dortigen Beamten den Vorfall und bemerkt, dass diese sich besprechen. Später erfährt er, dass man ihn wegen “Diebstahl mit Waffen” anzeigen wird. Für das Geschehene wird es keine polizeiliche Dokumentation geben.
Rassistische Motivation
unterstellte Herkunft
Strafrechtlicher Verlauf
Gegen S.P. wird Anzeige wegen “Diebstahl mit Waffen” gestellt.
(vgl. Akte ReachOut: Gedächtnisprotokoll, Krankenhausprotokoll)
1. September 2007 – Familie K.
Vorfall
Am 01.September 2007 stürmen mehrere maskierte und schwer bewaffnete Männer eines SOKO – Kommandos die Wohnung der Familie. Die Mutter liegt gemeinsam mit ihrem vierjährigen Enkel und ihrer neunjährigen Tochter im Schlafzimmer, drei volljährige Söhne und die siebzehnjährige Tochter schlafen jeweils in ihren Zimmern. Das Zimmer des zweitältesten Sohnes wird gestürmt, der junge Mann wird schwer misshandelt, geschlagen, getreten, beschimpft. Er wird schwer verletzt und ist bewusstlos. Er wacht erst wieder auf, als er neben seinen jüngsten Bruder auf den Boden geworfen wird. Auch dieser wird geschlagen und getreten. Beide bekommen Kissen auf den Kopf gepresst und werden immer weiter geschlagen und beschimpft. Der älteste Sohn hat keine Gelegenheit sich anzuziehen. Nackt wird er aus dem Schlaf gerissen und zu Boden geworfen. Auch er wird beschimpft und geschlagen. Ein Beamter “furzt” ihm zur Demütigung ins Gesicht. Alle drei Männer sind mit Handschellen gefesselt. Die siebzehnjährige Tochter wird von zwei männlichen Beamten geweckt. Sie ist leicht bekleidet. Sie schläft mit dem Familienhund in einem Zimmer. Sofort soll dieser erschossen werden. Als das Mädchen den Hund unter ihrer Decke versteckt, wird auch auf sie die Waffe gerichtet. Sie hat Todesangst.
Die Tochter darf zur Mutter ins Schlafzimmer. Völlig verstört kauert sie auf dem Boden. Auch die Kleinsten sind traumatisiert. Im Schlafzimmer sind die Schreie und das Gebrüll, die Beschimpfungen und das Gelächter zu hören. Lange darf die Mutter den Raum nicht verlassen, wird aber schließlich unter demütigenden Beschimpfungen und gewaltvoll am Arm aus dem Zimmer gezerrt. Im Esszimmer sitzt bereits ihr mittlerer Sohn. Die Mutter ist in großer Sorge um ihre Kinder, aber alle Fragen zum Geschehen werden entweder mit Hohn oder Ignoranz beantwortet Nach ca. 30 Minuten werden ihr jüngster und ihr mittlerer Sohn abgeführt. Der schwer verletzte jüngste Sohn wird in Hemd, Unterhose und Pantoffeln ins Krankenhaus gebracht, wo er eine medizinische Behandlung erfährt und nach ca. sechs Stunden ohne Geld und ohne jede weitere Kleidung von den Beamten weggeschickt wird. Der mittlere Sohn kommt in Polizeigewahrsam, wird dort erkennungsdienstlich behandelt und darf schließlich nach sieben Stunden in einem geliehenen Jogginganzug das Revier verlassen.
Bis zum Schluss erfährt keines der Familienmitglieder den Tatvorwurf, der als Grundlage für den Einsatz galt.
Weiterführende Informationen
Auszug der gesprochenen Beleidigungen seitens der Beamten gegenüber der einzelnen Familienmitglieder:
- Polizeibeamte, nachdem sie den Zustand des jüngsten Sohnes erkennen
- “Das ist ja eine schöne Scheiße hier.”, “So eine Sauerei hier.”
- Und gegenüber der Mutter
- “Bringt die Frau weg, weg mit der Frau, die darf auf keinen Fall nach hinten. Bringt sie weg.”
- Gegenüber der Mutter, die im Schlafzimmer ausharrt
- “Ach die Mutti, die Mutti also.”
- Auf die Nachfrage der Mutter, warum sie und ihre Kinder fotografiert werden
- “Brauchen wir doch nicht. Sind doch nur ein paar schöne Fotos für Mami, für das Familienalbum oder so. Und ist mir auch scheißegal.”
- Auf die Frage des mittleren Sohnes nach den Dienstnummern der Beamten
- “Halt die Fresse, halt dein Maul jetzt, du kriegst gar nichts, außer eins in die Fresse, wenn du deine Schnauze nicht hältst.” und “Wir können dir auch den Kopf abreißen.”
- Auf die Nachfrage des mittleren Sohnes, sich eine Hose anziehen zu dürfen
- “Ach, es ist doch schönes Wetter draußen, kannst auch so gehen.”
- Auf die Nachfrage des bereits verletzten jüngsten Sohnes, was eigentlich los sei
- “Halt die Schnauze, gleich kriegst du noch mehr auf die Fresse.” Und als seine Verletzungen fotografiert werden: “Bitte lächeln!”
- Im Krankenhaus kurz vor der Entlassung
- “Draußen kriegst du noch mehr auf die Fresse!”
Rassistische Motivation
unterstellte Herkunft
Strafrechtlicher Verlauf
Familie K. erstattet Strafanzeige gegen die beteiligten PolizeibeamtInnen.
(vgl. Akte ReachOut: Gedächtnisprotokolle der Familienmitglieder)
