Du musst kein*e Held*in sein, um Zivilcourage zu zeigen

Kennst Du das?

Im Zug oder am Bahnhof, im Park oder mitten in der Stadt – die Polizei kontrolliert ausschließlich eine Schwarze Person/ Person of Color. Ausweiskontrolle, manschmal Taschenkontrolle.
Du weißt nicht, was Du machen sollst. Vielleicht hat es ja einen Grund. Vielleicht gab es etwas, was Du nicht mitbekommen hast. Oder Du weißt, dass das irgendwie nicht ok ist. Vielleicht weißt Du, dass diese Sache racial profiling heißt und bedeutet, dass die Polizei nach rassistischen Vorurteilen anhand von äußerlichen Merkmalen kontrolliert.  Also nicht, weil die betreffene Person eine dunkle Hautfarbe hat, sondern weil die Polizei voreingenommen gegen Menschen ist, die nicht weiß sind. Vielleicht findest Du es total ungerecht und würdest gern was sagen... aber was? Auf jeden Fall hast Du Angst, was passieren kann, wenn Du Dich mit der Polizei anlegst: Platzverweis? Verhaftung? Anzeige gegen Dich? Und dann schaust Du weg und denkst, es ist ja nichts passiert, keine körperliche Gewalt oder so.

Die gute Nachricht: Du musst keine Held*in sein, um Zivilcourage zu zeigen!

Hier sind ein paar Möglichkeiten, wie Du Dich verhalten kannst

  • Die Polizist*innen fragen: „Warum kontrollieren Sie ausgerechnet diese Person und keine andere? Weshalb kontrollieren Sie die Weißen hier nicht?“
  • Die Beamt*innen nach ihrer Dienstnummer fragen – sie sind gesetzlich verpflichtet, sie mitzuteilen
  • Dir Zeit und Ort aufschreiben
  • Andere Leute ansprechen: „Haben Sie gesehen, was die Polizei da macht? Die kontrollieren nur eine Schwarze Person/Person of Color! Das ist doch total ungerecht!“
  • Telefonnummern mit andern Menschen austauschen, die das auch gesehen haben (das kann später bei Zeug*innenaussagen wichtig sein)
  • Diese Nummer an die kontrollierte Person weitergeben: 030 69 56 83 39 (Opferberatungsstelle ReachOut)
  • Im Fall einer Festnahme Namen und Adresse der*des Abgeführten erfragen
  • Manchmal behaupten auch Leute in Zivilkleidung, von der Polizei zu sein. In diesem Fall nach dem Polizeiausweis fragen
  • Danach den Vorgang so genau wie möglich aufschreiben. Das wird Gedächnisprotokoll genannt und enthält folgende Punkte, die hier nachzulesen sind:

Achtung

Es gibt Leute, die diese Polizeikontrollen offen als rassistisch bezeichnet haben (was sie auch sind!). Gegen einige dieser Menschen sind Beleidigungsverfahren eingeleitet worden. Fast alle davon wurden in Berlin eingestellt.
Trotzdem: Du musst selber entscheiden, ob Du diese Maßnahme in dem Moment als rassistisch benennen möchtest und damit das Risiko einer Anzeige auf Dich nimmst, oder ob Du betonst, dass Du die Polizist*innen nicht als rassistisch bezeichnet hast, sondern eben nur wissen möchtest, weshalb nicht alle Menschen in der Umgebung kontrolliert werden und nur die mit dunkler Hautfarbe.

Keine Sorge

Du kannst nicht an alles denken während der Situation. Wahrscheinlich fällt Dir vieles erst später ein, was Du gerne gemacht oder gesagt hättest. Ärgere Dich nicht darüber; das ist ganz normal. In Stress-und Angstmomenten kann das Gehirn nicht auf alles zurückgreifen, was Du eigentlich vielleicht weißt.
Du kannst die Situation auch nicht komplett ändern – was Du gerade erlebst, macht die Polizei überall in Deutschland, in Europa und darüber hinaus.
Das wichtige ist, dass Du zeigst, dass Du nicht damit einverstanden bist. Dass die Polizist*innen merken: Leute passen auf, erkennen, dass sie rassistisch kontrollieren und hinterfragen das. Denn racial profiling ist auch deshalb möglich, weil ein großer Teil der Bevölkerung entweder wegschaut oder es richtig findet.

Deshalb

Du musst echt kein*e Held*in sein, es nicht darauf ankommen lassen, Dich z.B. verhaften zu lassen oder sowas. Weder musst Du die richtigen Worte, noch die perfekten Argumente finden in dem Moment, sondern nur zeigen, dass Du das ungerecht findest und dass das, was sie machen, nicht klar geht.
Das ist schon held*innenhaft genug!

Wenn Du Fragen haben oder Unterstützung brauchst, wende Dich gerne an uns. Auch wenn Du keine Anzeige erstatten möchtest oder anonym bleiben möchtest, ist es wichtig, dass der Fall ohne Namen dokumentiert wird.

Mehr Informationen findest du auf unserer Infoseite zum Thema » Was darf die Polizei? Was darf sie nicht? «. Beratungsstellen für Betroffene gibt es hier.