Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamssituationen jetzt!

Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamssituationen jetzt!

Aufruf

Aufruf und Einladung zum Kampagnen-Start am 27. September 2019

Liebe Communities, liebe Gesellschaft,

wir, ein antirassistisches Bündnis aus Berlin (u.a. ISD, ReachOut, EOTO, KOP), starten anlässlich des Black-Lives-Matter-Month die Kampagne "Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamssituationen jetzt!". Wir gedenken mit der Kampagne all den Schwarzen Menschen bzw. von Rassismus betroffenen Menschen allgemein, die unter Entziehung ihrer Freiheit in den vergangenen Jahren in Gewahrsam ums Leben kamen.

„Sich in Gewahrsam zu befinden“ verstehen wir als Situation, in der sich Personen in geschlossenen Räumen befinden, in denen sie abhängig von anderen Personen werden und die der Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich sind, z.B.: Polizeistationen, Polizeifahrzeuge, Gefängnisse, Psychiatrien, Krankenhäuser, Pflege-, Geflüchteten- und Kinderheime.

Situationen wie diese sind davon geprägt, potenziell Menschen ausgeliefert zu sein, die mit institutioneller Macht ausgestattet sind (Polizist*innen, Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen, Justizpersonal, ...). Was in diesen Räumen passiert, bleibt oft hinter Mauern, Türen und durch menschenverachtende Loyalität verschlossen: Unrecht, Diskriminierung und Gewalt, die sich hier zutragen, sind schwer offenzulegen, abzubauen und aufzuarbeiten.

Allein die Todesfälle der letzten Zeit - Hussam Fadl, Ahmed Amad, Maliullah Jabarkhil, Rooble Warsame und William Tonou-Mbobda - zeigen die immense Gefahr, die für People of Color in Gewahrsam entsteht und deren Aufklärung in weiter Ferne liegt. Tod in Gewahrsam ist kein Einzelfall. Fehlende Konsequenzen in den Institutionen sind systematisch.

Die Kampagne "Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamsituationen jetzt!" wird sich bis zum Black-Lives-Matter-Month 2020 aktiv dafür einsetzen, dass
   
- Menschen of Color, die in Gewahrsam starben, nicht kriminalisiert und ihre Geschichte nicht vergessen werden.
- gesellschaftliche Debatten den Tod in Gewahrsam nicht länger ignorieren.
- vernetzter und widerständiger Austausch zwischen Betroffenen-Gruppen, für die Tod in Gewahrsam ein Risiko darstellt, gestärkt wird.
- verantwortliche Institutionen effektive Schutzmaßnahmen und -mechanismen etablieren.

Werdet Teil der Kampagne "Death in Custody. Aufklärung der Todesumstände in Gewahrsamsituationen jetzt!" und kommt zur Auftaktveranstaltung am 27. September 2019 - Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben. Achtet auf Ankündigungen.

Wir gedenken:

Hussam Fadl, der im September 2016 in einer Berliner Geflüchtetenunterkunft von Polizisten erschossen wurde.
Matiullah Jabarkhil, der wurde im April 2018 in Fulda von der Polizei erschossen wurde.
Ahmed Amad, der im September 2018 in Kleve seinen schweren Brandverletzungen erlag, die er in einer Gefängniszelle erlitten hatte.
Rooble Muse Warsame, der im Februar 2019 im Polizeigewahrsam in Schweinfurt unter bislang ungeklärten Umständen starb.
William Tonou-Mbobda, der im April 2019 starb, nachdem er von sog. Security-Personal einer Hamburger Psychiatrie angegriffen worden war.
Und all den anderen.

Ansprechpartner: Biplab Basu | Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) | info@kop-berlin.de | 0179 544 17 90