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„Das Label Neukölln ? Wie werden Intensivstraftäter gemacht?“

6. August 2013 @ 18:00 - 19:00

Zunächst soll der Diskurs über Neukölln analysiert  werden. Anhand einer Analyse der Berichterstattung über Neukölln im Wochenmagazin DER SPIEGEL zwischen 1990 und 2011 wird Sebastian Friedrich aufzeigen, in welcher Weise Neukölln als Problembezirk markiert wird. Interessierte sich zunächst niemand für Neukölln, ist ab 1997 eine zunehmende Problematisierung auszumachen. Spätestens mit der Debatte um die Rütli-Schule 2006 werden Stimmen nach einem Eingreifen lauter. Dabei werden vor allem schnelles und zuweilen hartes Durchgreifen gefordert. „Soziale Probleme“ werden zumeist ethnisiert und kulturalisiert, während Rassismus und Klassenverhältnisse ausgeblendet werden.

Im Anschluss wird Nadija Samour auf die Rolle der Justiz im Zusammenhang mit der Konstruktion von Intensivstraftätern eingehen. Dabei wird sie nachzeichnen, wie „Intensivstraftäter“ zum Rechtsbegriff werden konnte, und der Frage nachgehen, ob rassistische Gesetzgebung und ihre Durchsetzung durch Polizei und Justiz dieses Phänomen erst erschaffen haben − oder ob sie lediglich auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert haben. Dabei wird sie die eigens dafür geschaffene Abteilung 47 der Berliner Staatsanwaltschaft und das sogenannte Neuköllner Modell beleuchten und der gleichzeitig stattfindenden Diskussion über die Abschaffung des Jugendstrafrechts gegenüber stellen.           

Sebastian Friedrich (Berlin/Duisburg) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS), aktiv bei der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und Redakteur bei kritisch-lesen.de

Nadija Samour (Berlin) ist Juristin mit strafrechtlichem Schwerpunkt. Als Dozentin in der Gefangenenschule der JVA Lichtenberg beschäftigt sie sich mit den negativen Auswirkungen des Strafvollzugs auf Jugendliche. Darüber hinaus betätigt sie sich in repressionskritischen Gruppen, und ist auch im Palästina Netzwerk Berlin (PNB) aktiv.

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