Berlin, 21.11.2014: Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt und der Migrationsrat Berlin-Brandenburg rufen zur Prozessbeobachtung und Solidarität gegen rassistische Polizeipraktiken in Berlin auf.
Am 18. Juli 2013 beobachtet Nuru H., wie eine Person in der Glogauer Straße Richtung Wiener Straße von zwei Polizist_innen verfolgt wird. Kurze Zeit später sieht er dieselben Beamt_innen, wie sie sich angespannt umschauen. Es scheint, als hätten sie die andere Person nicht gefasst. Als sie Nuru H. bemerken, rennen sie auf ihn zu und rufen „Stehen bleiben, Hände hoch!“. Nuru H. folgt der Aufforderung umgehend, die Polizist_innen legen ihm Handschellen an. Nuru H. fragt nach dem Grund für die Festnahme, schließlich habe er nichts getan. Die Beamt_innen antworten ihm nicht, drohen stattdessen, er solle ruhig sein und werfen ihn schließlich zu Boden. Nuru H. schreit, er bekommt Panik und fühlt sich gedemütigt. Vorbeikommende Passant_innen beobachten die Szene und einige sprechen von Racial Profiling. Nuru H. wird aufgefordert seinen Ausweis zu zeigen. Es treffen weitere Polizeibeamt_innen ein, wovon einer anordnet, dass Nuru H. sofort mitgenommen werden solle. Zeitgleich wird eine Gruppe von Schwarzen Männern durch Polizeibeamt_innen aus dem Görlitzer Park abgeführt, alle ohne Handschellen. Einige protestieren, als sie Nuru H. in Handschellen erblicken. Schließlich wird Nuru H. in einem Mannschaftswagen weggefahren.
Nuru H. muss sich nun wegen „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ vor Gericht verantworten, dabei beobachtete er lediglich eine Verfolgung durch zwei Polizeibeamt_innen.
„Wir verurteilen die grundlose Festnahme und Anklage von Nuru H.“, erklärt Biplab Basu von der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt, „Gerade in und um den Görlitzer Park werden regelmäßig Personen aufgrund von Racial Profiling verfolgt, festgenommen und somit kriminalisiert.“
Ansprechpartner:
Biplab Basu; Reach Out/ Ariba e.V. & KOP;
Tel.: 0179/544 17 90
E-Mail: biplab_basu@reachoutberlin.de
Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt/ KOP dokumentiert seit dem Jahr 2000 in einer Chronik die Misshandlungen, Verletzungen, Bedrohungen und Schikanen der Berliner Polizei gegenüber Migrant_innen und People of Color.
Der Migrationsrat Berlin – Brandenburg ist eine bundesweit einmalige Dachorganisation von über siebzig Migrant_innen-Selbstorganisationen, die sich jenseits von Merkmalen wie Herkunft, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung als politische Interessenvertretung organisiert haben. Ziel ist die völlige rechtliche, soziale und politische Gleichstellung und Teilhabe von Migrant_innen, ihren Nachfahren und anderen People of Color.