Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Pressemitteilung: „Ich kann Rassismus in meinem Alltag nicht länger totschweigen.“

22. November 2017 @ 10:45 - 11:45

Berlin, den 16.11.2017. Donna N. ist seit vielen Jahren in Berlin erfolgreich in der Modebranche tätig. Hier pflegt sie Kontakte mit Menschen der Stadt und wird in ihrer Expertise geachtet. Im Alltag erlebt sie jedoch immer wieder rassistische Anfeindungen. Lange hat sie versucht, das zu ignorieren. Nach einer rassistischen Fahrscheinkontrolle im Bus hat sie das Problem beim Namen genannt und sitzt nun selbst auf der Anklagebank. Donna N. möchte nicht mehr schweigen, sondern erzählen, was Alltag für zahlreiche Schwarze Berliner_innen und Berliner_innen of Color ist.

Am 4. April 2016 besteigt Donna N. in Berlin-Kreuzberg einen Bus der Linie 104. Wie alle anderen Fahrgäste zeigt auch sie ihren Fahrausweis am Eingang vor. Unvermittelt nimmt die Busfahrerin ihr den Fahrschein aus der Hand: Das Ticket war kürzlich abgelaufen, ohne dass Donna N. das bemerkt hatte. Sie möchte das Missverständnis aufklären und einen neuen Fahrschein kaufen. Die Busfahrerin besteht jedoch darauf, dass Donna N. den Bus verlässt. Über das Busmikrofon teilt sie den anderen Passagier_innen mit, dass sie solange nicht weiterfahren werde, bis sie das Fahrzeug verlassen habe. Zahlreiche Fahrgäste solidarisieren sich mit Donna N., diskutieren mit der Fahrerin und bezeichnen ihre Umgangsweise als rassistisch. Über eine Stunde dauert die Szene, an deren Ende Donna N. die Polizei verständigt. Sie fühlt sich gedemütigt und der Öffentlichkeit preisgegeben.

Als die Polizei eintrifft, werden Donna N. und die Busfahrerin befragt. Die Beamt_innen machen auf Donna N. sofort den Eindruck, als würden sie der Busfahrerin mehr Glauben schenken, als ihr. Sie weint und fühlt sich unwohl. Als sie erfährt, dass sie angezeigt wurde, ist sie fassungslos: „Ich wollte einfach genauso behandelt werden, wie alle anderen auch. Hätte ich betrügen wollen, wäre ich doch nicht in dem Bus geblieben. Ich hätte jederzeit gehen können. Natürlich wollte ich einen Fahrschein kaufen.“

Eine Anzeige gegen die Busfahrerin verläuft im Sande. Einen Strafbefehl gegen sich wollte Donna N. nicht akzeptieren. Die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) unterstützt sie dabei: „Wir hören das nicht zum ersten Mal. Natürlich werden Schwarze Menschen in den Öffentlichen Verkehrsmitteln genauer kontrolliert. Das ist ein Skandal. Entweder schauen die Fahrer_innen bei allen genau hin oder sie lassen es ganz. Was nicht geht ist, dass Menschen in ihrem Alltag einer rassistischen Dauerüberwachung unterzogen werden.“ Dass am Ende diejenigen auf der Anklagebank sitzen, die das Problem beim Namen nennen, veranlasste KOP zur Solidarität.

Donna N. möchte nicht mehr schweigen. „Es tut sehr weh. Die seelischen Belastungen, die ich durch Alltagsrassismus erlebe, sind groß. Heute weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die so etwas erlebt. Es ist mir wichtig, dass wir uns gegenseitig schützen.“ Sie möchte alle Berliner_innen ermutigen, sich gegen Alltagsrassismus zur Wehr zu setzen. Zuerst jedoch muss sie erst einmal ihr eigenes Verfahren überstehen, zu dem jede Unterstützung willkommen ist.

Ansprechpartner:
Biplab Basu | Tel. 0179 544 17 90 | info@kop-berlin.de | www.kop-berlin.de

Details

  • Datum: 22. November 2017
  • Zeit:
    10:45 - 11:45

Veranstaltungsort