
Von mehr Sensibilität der Behörden war die Rede, als die Machenschaften des NSU Trios aufflogen. Doch 2012 – knapp ein Jahr danach wird in Koblenz darüber verhandelt, ob der Staat Schwarze Menschen und People of Colour mit der Richtlinie „verdachtsunabhängiger Kontrollen“ einfach kontrollieren darf. Eine Maßnahme, die rassistischen Kriterien Vorschub leistet. In Hessen wird Derege W. nach einer Ticketkontrolle in Frankfurt von Polizisten verprügelt. Die Fälle von Mounir A. und Syrus K. werden bekannt. Und das Magdeburger Landgericht verurteilt einen der damals diensthabenden Polizisten im Fall von Oury Jalloh zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen. Bis heute ist ungeklärt, wie das Feuer in seiner Arrestzelle ausbrechen konnte, in der er auf einer feuerfesten Matratze liegend angekettet war. Im Frankfurter Fall von Christy Schwundeck wird es zu keiner öffentlichen Aufklärung kommen, weil der Antrag auf Klageerzwingung wegen Unzulässigkeit im vergangenen Jahr abgelehnt wurde.
Racial Profiling hat viele Gesichter und ist seit vielen Jahren nicht nur ein Problem in Amerika und anderen europäischen Ländern, sondern auch in Deutschland. Doch spricht der Mainstream hierzulande erst gut ein Jahr öffentlich darüber. Das Problem für Menschen, die diese Erfahrung machen: Eine juristische Aufklärung wird meist verhindert. Es gibt eine Vielzahl von traumatisierenden Ereignissen, die hinter schalldichten Türen auf Polizeirevieren passiert sind. Von offizieller Seite wird meist von „bedauerlichen Einzelfällen“ gesprochen, die meist auf ein individuelles Fehlverhalten zurückgeführt werden.
Neben der „Kampagne für Oper rassistischer Polizeigewalt“ (KOP), die Fälle begleitet, der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ oder der „Initiative Christy Schwundeck“ (ICS), die mit ihrem Protest dafür sorgen, dass diese Geschichten nicht vergessen werden, hat die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland vor über einem Jahr die Öffentlichkeits-Kampagne „Stop Racial Profiling“ gestartet und eine Petition im Bundestag gegen die rassistische Praxis eingereicht. Mehr Infos: http://www.stoppt-racial-profiling.de/
Aufklären, nicht zu zusehen, sich wehren und sich einmischen. Bei dem Inputvortrag und in der Gesprächsrunde am Samstag, 29. Juni 2013 um 17:00 Uhr auf der großen Bühne soll vor allem der Blick auf selbstbestärkende Strategien für die Community und Gegner der rassistischen Praxis gerichtet werden.
Im Gespräch
Biblap Basu (KOP)
Ibrahim Danbaki Habib (ICS)
Vanessa Thopson (dekoloniale Aktivistin)
Hadija Haruna (ISD/Moderation)
Am 29. Juni feiert der erste Dokumentarfilm über Racial Profiling in Deutschland Premiere. „ID-WITHOUTCOLORS“ von Riccardo Valsecchi. Er wird am Sonntag, 30. Juni 2013 um 20:15 Uhr auf der großen Leinwand gezeigt.
Mehr Infos zum Programm des Afrikanischen Kulturfest unter www.afrika-kulturprojekte.de